0

Rückblick #3

… Von Natur her bin ich eher der ruhige, gelassene Typ, der viel nachdenkt, zwar immer lustig und meist gut gelaunt, jedoch mit einem (aus meiner Sicht) gesunden Maß an Distanz zu fremden Leuten. Hier entfalltete der Alkohol eine der Wirkungen, die ich am meisten genoss. Er ermöglichte es den Kopf auszuschalten und alle Unsicherheiten über Bord zu werfen, darüber hinaus ging auch die Distanz zu Anderen über Bord. So beschwingten die „positiven“ Eigenschaften des Alkohols die Wochenenden meiner Jugendzeit, sorgten neben vielen schönen Abenden aber auch regelmäßig zu Abstürzen und peinlichen Aktionen. Die ersten Filmrisse dürften dann ebenfalls im Alter zwischen 16 und 18 aufgetreten sein. Die Folgen der Peinlichkeiten und dem dadurch angeknaxten Selbstbewusstsein konnten damals jedoch prima durch Alkohol weggeschüttet und kuriert werden. Ich wusste damals, dass ich dazu neige zu viel zu trinken, ein Problem erkannte ich jedoch nicht. Die positiven Erfahrungen überwogen und die negativen wurden heroisiert oder verniedlicht. „Boah was kann der Trinken“, „Er hat etwas zu tief ins Glas geschaut“, usw… Zu guter Letzt ist es auch die Unvernunft und ein gewisses Maß an Selbstironie, die mir am Rausch besonders gefiel. Mein Trinkverhalten wurde mehr und mehr zum Rauschtrinken, zwar konzentriert auf soziale Anlässe, jedoch dann bis zum bitteren Ende. Anlässe gab es jedoch häufig. In der Oberstufenzeit kam auch der Sprung in den Aktivenbereich der Fußballmannschaft und es ging häufig mit älteren Mannschaftskollegen zum Saufen. Skiurlaube in Ischgl, Malleaufenthalte, aber auch Stadionbesuche, überall stand der Alkoholkonsum im Mittelpunkt und das eigentliche Event war oftmals mehr eine Art Vorwand zum hemmungslosen Trinken. Das Abitur habe ich imVorbeigehen geschafft und sozial war ich integriert. Ein Problembewusstsein hatte ich nicht entwickelt, schließlich gab es in meinem Umfeld viele Personen, die ähnliche Verhaltensmuster an den Tag legten. Diese galten als trinkfest, trinkfreudig, kurzum als Partyanimals. Probleme mit Alkohol gab es also keine, eher Probleme ohne Alkohol. Feiern ohne Alk ging jedenfalls überhaupt nicht… (t.b.c.)

1

Rückblick #2

… Von nun an wurde am Wochenende regelmäßig getrunken, zwar noch nicht jedes Wochenende doch häufiger.  Es kam die Konfirmation, früher bedeutete das in unserem Ort, der 1. Rausch, heute hat sich das geändert und wird zumindest von den Eltern nicht mehr so locker gesehen. Bei uns lief das ganze wie folgt ab, alle Konfirmanten, bzw. fast alle trafen sich irgendwo und dann wurden alle Gasthäuser in denen eine Konfirmationsfeier stattfand abgeklappert und man bekam überall was zu trinken. Zum damaligen Zeitpunkt tranken die Mädchen Sekt und die Jungs Rotwein mit Cola (Weingegend), alles mit Zustimmung der Erwachsenen. Früher ging es auch noch in die örtlichen Kneipen, da unsere Vorgänger allerdings total eskalierten, wurden die Kneipen angewiesen in dieser Nacht nichts an die Jugendlichen auszuschenken. Das Ende vom Lied waren im Dorf verteilte Alkoholleichen mit 15 Jahren, da ich zu diesem Zeitpunkt weder stehen konnte noch meinen Mageninhalt bei mir behalten, wurde ich früher nach Hause gebracht und habe diese nicht mehr auf dem Gehsteig liegen sehen. Und wenn wäre ich eine davon gewesen. Walpurgisnächte, Fasnacht, Silvester, sturmfreie Bude oder einfache Wochenenden waren bei uns großartige Events, an denen aber auch immer viel getrunken wurde. Meist war ich jedoch einer der vollsten, obwohl ich schon früh einiges vertragen konnte. So brachten mir meine Fertigkeiten am Glas bereits mit 15 Anerkennung ein, als ich auf dem 18er meines Cousins bei Trinkspielen eine halbe Flasche Apfelkorn und einige Tequilas trinken musste. Ich weiss heute noch nicht ob meine Eltern auf der Rückfahrt wirklich nix bemerkten oder einfach nur so getan haben. Zum Glück habe ich es geschafft erst zu kotzen, als meine Eltern bereits schliefen. Solche Beispiele gab es zu der Zeit häufiger, wenn ich eine Freundin hatte etwas gedämpft aber trotzdem noch ab und an. Wenn ich trank, gehörte ich aber immer zu denen, die sich am hemmungslosesten betrunken haben. Wenn es zuviel war wurde ich allerdings häufiger Streitlustig und eifersüchtig, beides entspricht jedoch eigentlich gar nicht meiner Natur. Das führte dazu, dass die ein oder andere Beziehung auch dadurch in die Brüche ging, was bei Jugendbeziehungen aber nun mal so ist. Mit 16 durfte ich dann endlich in die Disko und nicht nur auf Dorffeste, Fasnacht oder ähnliche Veranstaltungen. Nun durfte auch legal Bier und Wein an mich ausgeschenkt werden, dies machte imho kaum einen Unterschied, da wir in den Dorfkneipen, an der Tanke oder auf Dorffesten auch früher schon Bier und Wein ohne Probleme ausgeschenkt bekamen. Alles in allem war es ne schöne Zeit, die ich nicht missen möchte und die viele lustige Geschichten gebracht hat. Im Nachhinein wurde damals halt schon der Grundstein für den problematischen Alkoholkonsum, der sich später daraus entwickeln sollte. (t.b.c)

P.s.: Da ich eine Woche ohne Internet sein werde, wird es erst wieder am 13.05. weitergehen, in der Zwischenzeit können daher auch keine Kommentare freigeschalten werden!

4

Rückblick #1

Herzlich willkommen auf meinem Blog, dies ist der erste Beitrag hier und er soll der Beginn einer Geschichte sein, die zum Großteil meiner Geschichte entspricht. Ich möchte jedoch nicht ausschließen, dass ich diese Geschichte mit Beobachtungen, Witzen und Bewertungen garniere. Ebenso wird vermutlich die eine oder andere Geschichte im Alkoholnebel verfälscht worden oder verloren gegangen sein und das mir erzählte nicht in jedem Detail der Wahrheit entsprechen. Ich möchte jedoch versuchen schonungslos und ehrlich meine Geschichte wiederzugeben. Fragen und Kommentare sind ausdrücklich erwünscht, doch nun genug der Worte.

Es war einmal ein Junge, der sich im Erwachsenenalter von ca. 12 Jahren zum ersten Mal am Spirituosenregal der Eltern zu schaffen machte. War es der Wunsch cool zu sein, das Vorbild der Gesellschaft oder einfach nur der Reiz des Verbotenen?
Vermutlich von allem ein wenig. Doch war es denn wirklich verboten? Rechtlich ohne Zweifel, doch Gesellschaftlich? Vermutlich nicht wirklich, ich denke trotz Ärger hätte es beim Ein oder Anderen insgeheim auch ein wenig Stolz und Anerkennung ausgelöst. So meine ich mich zu erinnern, dass ich Monate oder Jahre zuvor schon eine Weinschorle als Apfelsaft vorgesetzt bekam und die Anwesenden mein vom Ekel verzogenes Gesicht mit Gelächter honorierten. Alkohol war also lustig und wem dieser nicht schmeckt war halt noch ein Kind. Unzweifellos gehörte er jedoch zur Welt der Erwachsenen dazu und war offensichtlich der Höhepunkt des Erwachsenseins. Zumindest schien er die Hauptattraktion jeder Familienfeier, der Treibstoff jeder lustigen Heldengeschichte und der Schlüssel zur Glückseeligkeit zu sein. Ich fragte mich lediglich, wieso diese vom Glück verwöhnten Menschen mich als Kind so oft nerven konnten und manchmal eher wie ein Häufchen Elend aussahen. Aber ich war ja auch noch ein Kind und konnte das vermutlich einfach noch nicht verstehen. Bei der Expedition entdeckte ich, dass mir Kräuterschnaps nicht schmeckte, Kirschwasser ebenfalls nicht und Blue Curacao genauso wenig. Mit etwas Erfindergeist machte ich jedoch die Entdeckung, dass man Blue Curacao mit Limo mischen kann und der so entstehende Zaubertrank meinem geliebten Bitter Lemon ähnelte, zumindest geschmacklich. Fortan sollte dies mein Getränk sein. Zumindest eine zeitlang wenn ich am Wochenende ab und an alleine daheim war. Mit ca. 14 hatten wir in der Clique dann Bier und Palmero (Fruchtweinsekt) für uns entdeckt. Wie die Erwachsenwelt es vor machte wurden wir vom Glück beseelt. Die Gesellschaft hatte uns nicht zuviel versprochen, so wurde das rumlungern am Jugendtreff, das Zelten im Garten und die Abende am Baggersee deutlich kurzweiliger. Und die anschließenden Geschichten und Skandale lustiger als sie es ohne den Alkohol jemals hätten sein können. Unweigerlich wurden die Verknüpfungen, die ich von Familienfeiern schon kannte auch auf den Freundeskreis übertragen, die Rechnung war einfach und erschien logisch. Party=Alkohol=Spaß alles untrennbar verbunden. (t.b.c.)